Das Kabinett des Doktor Parnassus

Das Kabinett des Doktor Parnassus

Beitragvon Administratoren Sijamboi » 11. Jan 2010, 21:07

Heath Ledger in seiner letzten Rolle

Von Carlos Gerstenhauer

Dr. Parnassus bereut zutiefst den Pakt, den er vor über 1.000 Jahren mit dem Teufel schloss: Er verkaufte seine Seele und wurde dafür unsterblich. Nun droht seiner 15-jährigen Tochter dasselbe Schicksal. Der verstorbene Superstar Heath Ledger verkörpert in seiner letzten Rolle den jungen Retter Tony.

Mitten im Herzen Londons, im Finanzdistrikt, schlagen der rätselhafte Dr. Parnassus (Christopher Plummer) und seine Schauspieltruppe ihre mobile Schaubühne auf. Ein Zwerg, ein mysteriöser alter Mann und eine rothaarige Schöne sind alles, was diese dürftige Freakshow an Attraktionen zu bieten hat.

Und doch wird dieses Wandertheater für den jungen Tony (Heath Ledger), dem russische Kredithaie auf den Fersen sind, zur Zuflucht. Tony versteckt sich im Kabinett des Doktor Parnassus. Hier, hinter einem Zauberspiegel, ist der Eingang in eine Fantasiewelt, aus der es nur für Eingeweihte einen Ausgang gibt. Wer sich nicht auskennt, ist in der Welt der eigenen Vorstellungskraft gefangen. Im Kabinett werden alle Träume wahr, die guten wie die bösen.

Teuflische Geschäfte
Der alte Doktor Parnassus selbst führt seit 1.000 Jahren einen Kampf mit Mr. Nick, dem Teufel (Tom Waits). Dem hat er einst für den Preis der Unsterblichkeit seine Seele verkauft. Ein Handel, den der Doktor längst bereut, zumal er nicht nur seine eigene Seele verkauft hat, sondern später auch die seiner ersten Tochter mit dazu. Sobald Valentina ihren 16. Geburtstag feiert, gehört sie Mr. Nick auf ewig.

Den Handel kann Parnassus nur rückgängig machen, wenn es ihm gelingt, fünf Seelen ins Kabinett zu entführen, die hier wieder unbeschadet hinaus finden. Tonys Stunde hat geschlagen. Denn für das Kabinett interessiert sich in London niemand. Erst als Tony mit neuen Marketing-Ideen kommt, finden sich Zuschauer, die das Theater überhaupt betreten.

Krisengebeutelter Terry Gilliam
Terry Gilliams Film will eine Geschichte darüber sein, wie die Fantasie uns aus den Finanz- und anderen Krisen retten kann. Der US-amerikanische Regisseur, der einst mit der Monty-Python-Truppe das Kino eroberte und mit grellen Utopien wie "Brazil" und "12 Monkeys" berühmt wurde, ist mit diesem Projekt selbst in die größte Krise gekommen. Mitten während der Dreharbeiten verstarb sein Hauptdarsteller Heath Ledger.

Nach dem plötzlichen Tod Heath Ledgers musste Regisseur Terry Gilliam improvisieren: Immer wenn sein Hauptdarsteller nun im Film das Kabinett betritt, wandelt sich sein Gesicht - in das von Jude Law, Johnny Depp oder Colin Farrell.

Es drohte das Aus für Doktor Parnassus und sein Kabinett. Was tun ohne Ledger? Noch einmal durfte und wollte Terry Gilliam nicht scheitern. Bereits wenige Jahre zuvor musste er ein anderes großes Kinoprojekt, seinen Don-Quijote-Film, abbrechen. Damals war das Szenenbild bei einem Unwetter hinweggefegt worden und Hauptdarsteller Jean Rochefort an einer Prostata-Entzündung erkrankt.

Hilfe von Hollywoodstars
Terry Gilliam gilt seitdem als Pechvogel. Und dann das, wieder fiel ein Hauptdarsteller aus. Doch auf einmal waren sie da, die vielen Freunde des US-Amerikaners, der seit Jahrzehnten in Großbritannien lebt.

Johnny Depp, Jude Law und Colin Farell boten Gilliam Hilfe an. Dieser schrieb kurzerhand das Drehbuch um und konnte die Stars als Ersatz für Heath Ledger verpflichten - "Das Kabinett des Doktor Parnassus" war gerettet. Die so einfache wie geniale Idee: Immer wenn Tony, alias Heath Ledger, in die Zauberwelt eintritt, dann verändert sich sein Äußeres. So hat Tony im Kabinett wechselweise das Gesicht von Johnny Depp, Colin Farrell und Jude Law.

Diese etwas abstruse Drehbuchkonstruktion funktioniert im Kino. Denn in der Welt von Doktor Parnassus muss sich der Zuschauer noch weit kühnere Trugbilder gefallen lassen. Glück im Unglück, dass Terry Gilliam bereits alle Außenaufnahmen in London mit Heath Ledger vor dessen unerwartetem Tod abgedreht hatte.

Fantasievoll, aber antiquiert
Mit "Das Kabinett des Doktor Parnassus" hat Gilliam zu seinen frühen Fantasy-Abenteuern wie "Time Bandits" und "König der Fischer" zurückgefunden. Sein Kino ist eine schrille Märchenwelt, in der der ewige Kampf Gut gegen Böse ausgefochten wird.

Der harten Realität ist mit derart einfachen Rezepten wie in Doktor Parnassus jedoch nicht beizukommen. Vieles was Terry Gilliam in seinem neuen Film zeigt, hat er in der Vergangenheit schon besser gemacht. Seine Rezepte wirken antiquiert. Aus diesem Märchen kann der Zuschauer nur wenig in die eigene Wirklichkeit mitnehmen. Zu naiv, zu harmlos ist all das. Die Story hinter dem Film ist besser.

Quelle: "Kino Kino" | br-online.de

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